Tag der Elektromobilität an der HfSW-Hochschule RWU

Foto: Dennis Welge

Foto: Dennis Welge

Am vergangenen Freitag (28.6.) lud die Hochschule Ravensburg Weingarten (RWU) zum „Tag der Elektromobilität und Nachhaltigkeit“. Vor rund 150 Gästen wurde die Mobilität der Zukunft aus verschiedenen Perspektiven beleuchtetet. Und schließlich wurde „eine Ikone des deutschen Maschinenbaus“ mit „neuem Herzen“ präsentiert: Ein VW-Käfer war an der RWU in Kooperation mit den Technischen Werken Schussental zum Elektrofahrzeug umgerüstet worden.

Kaum ein Thema der digitalen Zeitenwende bewegt die Menschen so sehr wie die damit einhergehendenVeränderungen im Bereich der Mobilität. Man denke nur an die Diskussionen um Fahrverbote, an einen autonom fahrenden ÖPNV oder die Sorge um die vielen Arbeitsplätze im Ländle, die an der Automobilbranche hängen.

Naheliegend also, dass gerade eine Hochschule als ein Ort des Denkens und Forsches zum Tag der Elektromobilität und Nachhaltigkeit einlädt. Eröffnet wurde der Nachmittag von Angelika Zimmermann im Namen des Hochschulrates. Professor Ekkehard Löhmann, Dekan der Fakultät Elektrotechnik und Informatik, moderierteanschließend das Programm und betontedieBedeutung der interdisziplinärenZusammenarbeit. „Deshalb steht die Abkürzung unseres neuen Instituts für Elektromobilität IEM auch für I wie interdisziplinär und das Miteinander von E wie Elektrotechnik und M wie Maschinenbau.“

Der Blick muss immer auf die gesamte Produktionskette gerichtet werden

Als erster Redner schilderte Dr. Jörg Wind von der Daimler AG die Vor-und Nachteile von Batterie-und Brennstoffzellenantrieben. Bei der Brennstoffzelle, die die gespeicherte chemische Energie in Form von Wasserstoff in elektrische Energie umwandelt, liege der Vorteil vor allem in der großen Reichweite. Ein Problem hierbei sei jedoch das noch schwach ausgebaute Tankstellennetz. Hingegen sei die Batterie bezogenauf den Wirkungsgrad des Gesamtantriebes unschlagbarund „bietet beispielsweise für Menschen mit einer Solaranlage auf dem Dach viele Vorteile“, so Jörg Wind.

Nachfragen aus dem Publikum verdeutlichten, dass für die Beurteilung der Umweltfreundlichkeit einer Technologie der Blick immer auf die Emissionen der gesamten Produktionskette zu richten ist. Und dies nicht nur für das Fahrzeug selbst, sondern auch für die zum Einsatz kommenden Energieträger. Nach einer Studie aus realen Fahrzeugdaten der Daimler AG liegen batterieelektrische und Brennstoffzellenfahrzeuge heute beim „carbon footprint“ gleichauf.

Raphael Himmelsbach und Dr. Jochen Abhau von der ZF AG berichteten über die Elektromobilität aus Sicht der Industrietechnik sowie den jüngsten Stand autonom fahrender Fahrzeuge. Dass die Anwendungsgebiete in der Industrietechnik ein weites Feld sind, verdeutlichte Raphael Himmelsbach, indem sein Vortrag in wenigen Minuten von der riesigen Windkraftanlage über hybride Radlader bis zum Elektromotor im Betonmischer reichte, der es erlaube, den Verbrennungsmotor des Fahrzeugs abzuschalten, wenn der Mischer im Stand auf einer Baustelle betrieben wird.

Gründerszene kann mit unkonventionellenIdeen reüssieren

Neben den Beiträgen der großen Firmen stand der Vortrag von Markus Bergmann für eine junge Gründerszene, die in einer solchen Phase des Umbruchs mit unkonventionellen Ideen reüssieren kann. Seine Firma Carla Cargo baut elektrisch angetriebene und intelligente Lastenfahrradanhänger. Dass sie damit einen Nerv getroffen haben, zeigt allein die Bestellung von Amazon, die für ihren Lieferservice in New York eine dreistellige Anzahl von Anhängern bestellt haben. „Im Verkehrschaos sind sie mit den Rädern schneller“, sagt Markus Bergmann, „außerdem kommt das Bewusstsein für Emissionsreduzierung auch bei den Kunden gut an.

“Professor Dr. Wolfgang Ertel komplettierte die Liste der Redner und richtete den Blick auf das Potential elektrisch betriebenerund autonom fahrender Taxis. Es bräuchte keine Garagen und keine Parkplätze mehr, so Ertel, es würdendeutlich weniger Autos gebraucht,und die Anforderungen würden von der Nutzung her bestimmt und nicht mehr von der Tauglichkeit als Statussymbol. „Autos werden Fahrzeuge sein und keine Stehzeuge mehr“, so der Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz. „Vertrauen Sie uns Informatikern. Der Provider wird nach wenigen Wochen wissen, wie viele Menschen wann von wo nach wo fahren wollen.“

Im und vor dem Gebäude präsentierten sich studentische Initiativen, die im weiteren Sinne an Themender Mobilität arbeiten. Eines dieser Projekte hatte am Tag der Elektromobilität noch seinengroßen Auftritt: Die beiden RWU-Studenten Patrick Hantscheund Jacob Schicketanzenthüllten zusammen mit Elias Glatzel, Auszubildenderbei den Technischen Werken Schussental, den VW Käfer, den sie in den zurückliegenden Monaten zum Elektroauto umgerüstet hatten. Unterstützt von den tws, der Autolackiererei Yardimci und Martin Irmler vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Weingarten, haben die drei eine „Ikone des deutschen Maschinebaus flott gemacht für das 21. Jahrhundert“,so Professor Dr. Robert Bjekovic.Der rot-weiße Käfer wird zukünftig als Bestandteil der tws-Flotte auf den Straßen der Region zu sehen sein.

Als ein Fazit des ersten Tags der Elektromobilität an der RWU sieht Organisator Professor Dr. Benedikt Reick, „dass in denanstehendentechnologischen Veränderungen im Bereich der gesamten Mobilität durchaus vieleChancen und Entwicklungspotentiale stecken. Die heute bereits weit verbreiteten Pedelecs sind hierfür ein gutes Beispiel. Sie verbinden die Elektromobilität mit dem Thema der Nachhaltigkeit, bieten Fahrspaßund schaffen damit letztendlich neue Jobs –auch in Baden-Württemberg.

(Christoph Oldenkotte, RWU)